Zum Inhalt springen

Wie viele Wochen bis A1? Lernzeit realistisch einschätzen

· 7 Min. Lesezeit · von Benjamin Marcel Farmer, Sprachschmiede – Unterricht in deutscher Sprache und Aussprache

Du möchtest wissen, wie viele Wochen du für A1 brauchst, weil ein Termin bei der Auslandsvertretung näher rückt oder dein Umzug geplant ist. Viele Kursbeschreibungen nennen eine Zahl, die zu deinem Alltag mit Arbeit, Familie und Wartezeit nicht passt. Dabei lässt sich die Lernzeit gut einschätzen, wenn du sie in Wochenstunden und in die vier Prüfungsteile zerlegst.

Eine allgemeine Wochenzahl bis A1 gibt es nicht. Wie lange du brauchst, hängt davon ab, wie viel Zeit du pro Woche wirklich aufbringen kannst, welche Vorkenntnisse du mitbringst und ob du alle vier Prüfungsteile übst. Plane deshalb in Wochenstunden statt in Monaten und schaue alle paar Wochen nach, ob der Plan noch stimmt.

Was A1 überhaupt verlangt

Für den Ehegattennachzug ist der Sprachnachweis auf dem Niveau A1 gesetzlich verankert. Beim Nachzug zu einem Ausländer steht das in § 30 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 AufenthG, beim Nachzug zu einem Deutschen in § 28 Abs. 1 Satz 5 AufenthG. Was „einfache Deutschkenntnisse“ bedeutet, ist in § 2 Abs. 9 AufenthG geregelt – nämlich A1.

Was auf diesem Niveau verlangt wird, beschreibt der Modellsatz Start Deutsch 1 des Goethe-Instituts. Er ist die Grundlage für alles, was du zum Prüfungsaufbau weißt: Hören ca. 20 Minuten, Lesen ca. 25 Minuten, Schreiben ca. 20 Minuten und Sprechen ca. 15 Minuten in der Gruppe mit drei Teilen. Ob in deinem Fall ein bestimmter Nachweis verlangt wird, entscheidet die deutsche Auslandsvertretung.

Warum keine feste Zahl möglich ist

Zwei Personen können dieselbe Zahl an Wochen lernen und trotzdem unterschiedlich weit kommen. Der Unterschied liegt nicht im Talent, sondern in der Art, wie geübt wird. Wer nur Vokabellisten liest, kommt beim Sprechen kaum voran. Wer jede Woche ein paar Sätze laut spricht und hört, merkt schneller Fortschritte.

Deshalb sind Sätze wie „A1 in vier Wochen“ für die Planung wenig hilfreich. Sie sagen nichts über deinen Alltag, deine Vorkenntnisse und die Zeit, die du wirklich hast.

Was deine Lernzeit bestimmt

  • Vorkenntnisse: Kannst du das lateinische Alphabet lesen und schreiben? Hast du schon einmal Deutsch gelernt? Kennst du Zahlen und Uhrzeiten?
  • Wochenstunden: Nicht die Zeit, die du gerne hättest, sondern die Zeit, die regelmäßig übrig bleibt.
  • Regelmäßigkeit: Vier kurze Einheiten pro Woche bringen mehr als eine lange Einheit am Sonntag.
  • Übungsart: Hörst du Texte, sprichst du laut, schreibst du kurze Sätze – oder liest du nur?
  • Prüfungsnähe: Kennst du die Aufgabenformate aus dem Modellsatz? Wer das Format kennt, verliert in der Prüfung weniger Zeit.

Wie du deine Wochenstunden ehrlich zählst

Nimm einen normalen Wochenzettel und trage ein, wann du wirklich lernen kannst. Nicht, wann du es dir wünschst. Ein Beispiel:

Ich lerne montags, mittwochs und freitags je 30 Minuten. Sonntags lerne ich eine Stunde.

Das sind zweieinhalb Stunden pro Woche. Diese Zahl ist deine Planungsgrundlage. Wenn du merkst, dass ein Termin regelmäßig ausfällt, streiche ihn aus dem Plan, statt ihn weiter mitzuzählen.

Solche Beispielsätze sind gleichzeitig Übung: Du beschreibst deinen eigenen Alltag mit einfachen Mitteln.

Ich stehe um sechs Uhr auf. Ich arbeite von acht bis vier. Am Abend lerne ich Deutsch.

Die vier Prüfungsteile und ihr Zeitanteil

Verteile deine Wochenstunden auf alle vier Teile. Ein möglicher Zuschnitt bei zweieinhalb Stunden pro Woche:

  • 30 Minuten Hören: Zahlen, Uhrzeiten, kurze Ansagen
  • 30 Minuten Lesen: kurze Texte und Formulare
  • 30 Minuten Schreiben: Formular ausfüllen, kurze Mitteilung
  • 30 Minuten Sprechen: sich vorstellen, nachfragen, bitten
  • 30 Minuten Wiederholung: Wörter und Sätze der Woche

So übst du jede Woche jeden Teil einmal. Das ist wichtiger als eine lange Sitzung, in der nur ein Teil vorkommt.

Eine Beispielrechnung – ohne Prognose

Angenommen, du lernst zweieinhalb Stunden pro Woche. Nach vier Wochen hast du zehn Stunden geübt, verteilt auf alle vier Teile. Du wirst in dieser Zeit nicht alles können. Du wirst aber merken, welche Teile leichter fallen und welche mehr Zeit brauchen.

Genau das ist der Sinn der Rechnung: Sie zeigt dir, wo du nachsteuern musst. Sie sagt nicht voraus, wann du die Prüfung bestehst. Wie schnell du vorankommst, zeigt sich erst beim Üben.

Vorkenntnisse: Was wirklich hilft

Wer das lateinische Alphabet sicher schreibt, tut sich beim Ausfüllen von Formularen leichter. Wer schon einmal eine fremde Sprache gelernt hat, kennt das Gefühl, dass am Anfang nichts hängen bleibt – das ist normal und kein Zeichen von Unfähigkeit.

Ein paar Grundlagen kannst du sofort prüfen:

Ich heiße Ana. Ich bin 32 Jahre alt. Ich lerne Deutsch.

Wie bitte? Können Sie das wiederholen?

Wenn dir solche Sätze noch fehlen, gehören sie in die ersten Wochen deines Plans.

Pausen und Wiederholung gehören zum Plan

Plane bewusst Tage ohne neues Material ein. In diesen Einheiten wiederholst du nur, was du schon kennst. Wiederholung ist keine verlorene Zeit: Sie entscheidet, ob du Wörter in der Prüfung abrufen kannst oder nicht.

Ein einfacher Ablauf für eine Wiederholungseinheit: zehn Minuten Wörter laut lesen, zehn Minuten einen kurzen Dialog sprechen, zehn Minuten einen Satz aufschreiben.

Wann du den Plan ändern solltest

  • Du fällst drei Wochen hintereinander unter deine geplante Zeit.
  • Du übst nur noch Lesen, weil es sich leichter anfühlt.
  • Du verstehst gehörte Zahlen und Uhrzeiten noch nicht, obwohl du sie oft geübt hast.
  • Du hast den Modellsatz noch nie ganz durchgearbeitet.

In diesen Fällen hilft es, den Plan zu kürzen und dafür regelmäßiger zu lernen, statt mehr Stunden einzuplanen. Ein Plan, den du einhältst, ist besser als ein Plan, der nur auf dem Papier gut aussieht.

Was du jetzt tun kannst

  1. Schreibe auf, wie viele Stunden du in einer normalen Woche wirklich lernen kannst.
  2. Verteile diese Stunden auf Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen.
  3. Trage deinen Prüfungsmonat ein und arbeite rückwärts bis zur aktuellen Woche.
  4. Arbeite den Modellsatz Start Deutsch 1 einmal ganz durch, um die Aufgabenformate kennenzulernen.
  5. Prüfe nach vier Wochen, welche Teile noch Zeit brauchen, und passe den Plan an.

Für Schritt 3 kannst du unseren Lernplan bis zum Prüfungsmonat nutzen – zum Ausdrucken oder als PDF. Er hilft dir, Wochen zu zählen statt Monate zu schätzen.

Wenn du unsicher bist, welcher Nachweis in deinem Fall verlangt wird oder ob eine Ausnahme greift, frag bei der deutschen Auslandsvertretung nach. Sie entscheidet über deinen Einzelfall, nicht dieser Artikel.

Wie viele Wochen du bis A1 brauchst, lässt sich nicht allgemein sagen – aber du kannst deine Lernzeit in Wochenstunden planen und alle vier Prüfungsteile regelmäßig üben. Ob ein bestimmter Sprachnachweis in deinem Fall verlangt wird, entscheidet die deutsche Auslandsvertretung.

Stand: 18.10.2026

Frage zu deinem eigenen Vertrag?

Ein Ratgeber beschreibt den Regelfall. Deiner kann anders liegen – wir schauen ihn uns an.